Biosimilar-Barometer Schweiz – Ausgabe April 2022: Biosimilars werden in der Schweiz weiterhin zu zögerlich verwendet

Biotechnologisch hergestellte Arzneimittel, sogenannte Biologika, verursachten 2021 rund einen Viertel der Medikamentenkosten zu Lasten der obligatorischen Krankenversicherung. Zusätzlich weist dieses Marktsegment mit über 10% ein stark überdurchschnittliches Wachstum auf. Deren Nachahmerprodukte Biosimilars sind eine sinnvolle Option, um die Entwicklung der Kosten zu bremsen, ohne bei der Qualität Abstriche machen zu müssen. Nach wie vor wird ein Einsparpotenzial von jährlich rund 100 Millionen Franken aufgrund von falschen Anreizen im System nicht ausgeschöpft. Das kann bis 2030 zu unnötigen Mehrkosten von 1 Milliarde Franken für das Gesundheitswesen führen.

Auch 2021 wurde das Einsparpotenzial der Biosimilars in der Schweiz bei Weitem nicht ausgeschöpft. Um rund 100 Millionen Franken tiefer hätten die Medikamentenkosten zu Lasten der obligatorischen Krankenversicherung ausfallen können, wenn Biosimilars flächendeckend eingesetzt worden wären. Dies zeigt die aktuelle dritte Ausgabe des «Biosimilar-Barometer Schweiz» von curafutura, biosimilar.ch und intergenerika. 

Die gute Nachricht: Die Anzahl der vermarkteten Biosimilars in der Schweiz hat sich 2021 mehr als verdoppelt –von 15 auf 34 Produkte. «Obwohl immer noch zu wenig beachtet, wächst der Markt der Biosimilars in der Schweiz kontinuierlich. Dies stimmt uns zuversichtlich, dass wir zukünftig einen noch grösseren Beitrag zur Eindämmung der Kosten im Gesundheitswesen leisten können», hält Daniel Sarbach, Leiter der Arbeitsgemeinschaft biosimilar.ch fest. 

Jedoch lässt die Verwendung der Biosimilars in der Schweiz weiterhin stark zu wünschen übrig. Auffallend sind die grossen Unterschiede in der Spitallandschaft. So beläuft sich der Anteil der Top 6 Biosimilars in der Spitalregion Zentralschweiz auf nur 16%, die Hälfte im Vergleich zur Region Waadt/Wallis. Bei Infliximab, einer der kostenintensivsten Substanzen im Schweizer Markt, liegt der Biosimilar-Anteil in der Spitalregion Bern bei gerade mal 14% -jener in Genf ist mit 40% rund drei Mal so hoch.

«Neben der generell tiefen Anwendungsrate von kostengünstigen Biosimilars macht uns vor allem die schleppende Zunahme der Marktdurchdringung grosse Sorgen», meint dazu Pius Zängerle, Direktor von curafutura. «Die dadurch verpassten Einsparungen sind beträchtlich und in Zeiten steigender Kosten sehr ärgerlich.»

Unnötige Mehrkosten von mehr als 1 Milliarde Schweizer Franken bis 2030

Fehlanreize wie das aktuelle Margensystem behindern eine breitere Anwendung von Biosimilars und die Realisierung namhafter Einsparungen. Im heutigen System verdienen Apotheker und Ärzte umso mehr, je höher der Preis des Medikaments ist. Darum haben diese Leistungserbringer einen direkten Anreiz, ein Originalpräparat anstelle eines kostengünstigeren Biosimilars oder Generikums abzugeben. Dies hat zur Folge, dass bei den Biosimilars jährlich rund 100 Millionen an möglichen Einsparungen für das Gesundheitswesen nicht realisiert werden. Und das Einsparpotenzial wird bis 2030 weiter wachsen: Umsatzstarke Biologika stehen vor dem Ablauf ihres Patents, entsprechende Biosimilars sind in der Entwicklung und bergen bis 2030 ein zusätzliches Einsparpotenzial im dreistelligen Millionenbereich. «Werden die Fehlanreize im System nicht beseitigt, hat dies bis 2030 unnötige Mehrkosten von mehr als 1 Milliarde Schweizer Franken für das Gesundheitswesen und die Prämienzahler zur Folge», so Daniel Sarbach, Leiter biosimilar.ch. «Dies ist umso stossender, als das BAG die Vertriebsmargen nicht anreizneutral gestaltet und damit wichtige Einsparungen für das Gesundheitswesen nicht realisiert werden. Insbesondere, da sich das BAG zum Ziel gesetzt hat, bis 2030 auf die dringlichsten Herausforderung im Gesundheitswesen zu reagieren, um auch in Zukunft ein bezahlbares Gesundheitssystem zu gewährleisten, die steigenden Kosten zu dämpfen und Prämienzahler zu entlasten.»

Ein weiterer wichtiger Schritt wäre die Gleichbehandlung von Biosimilars und Generika bei der Substitution. Gesundheitsminister Alain Berset hat in der Wintersession im Ständerat erwähnt, dass die Substitution möglich sei, ohne Rücksicht darauf, ob es sich um Originalpräparate, Generika oder Biosimilars handle. In der Frühlingssession wurde die Forderung durch Kommissionssprecherin Ruth Humbel im Nationalrat thematisiert. Seitens der Verwaltung sei ihr versichert worden, dass eine explizite Erwähnung von Biosimilars im KVG nicht notwendig sei.

Der Weg wäre damit also frei, dass in der Verordnung die Ungleichbehandlung rasch beseitigt wird und längst überfällige Einsparungen realisiert werden können.

Weitere Auskünfte:

biosimilar.ch: Daniel Sarbach, Leiter biosimilar.ch,
079 808 45 05, info@biosimilar.ch

Biosimilar.ch

biosimilar.ch ist die Arbeitsgemeinschaft zur Förderung der Biosimilars in der Schweiz unter dem Dach von Intergenerika. Sie steht allen Unternehmen in der Schweiz offen, die Biosimilars entwickeln, herstellen oder vertreiben. Sie wird aktuell in Leitung durch Daniel Sarbach, Sandoz, geführt.

curafutura

curafutura ist der Verband der innovativen Krankenversicherer: CSS, Helsana, Sanitas und KPT. curafutura setzt sich für ein solidarisch gestaltetes und wettbewerblich organisiertes Gesundheitssystem ein.

Biosimilar-Barometer Schweiz – Ausgabe September 2021: Auch bewährte Biosimilars werden nur zögerlich verschrieben, dies auf Kosten der Prämienzahler

Durch zurückhaltende Verschreibungen von Biosimilars werden jährlich über 100 Millionen Franken an Einsparungen verpasst. Die neue Auflage des Biosimilar-Barometers Schweiz legt den Fokus auf die Marktentwicklung der sechs grössten Moleküle und zeigt auf, dass auch bewährte, lange auf dem Markt verfügbare Biosimilars nur zögerlich verschrieben werden. Ihr Marktanteil stagniert einige Jahre nach Einführung bei rund 35%. Die dadurch verpassten Einsparungen gehen zu Lasten der Prämienzahler. Fehlanreize bei den Vertriebsmargen müssen dringend beseitigt werden, um diesen Missstand zu beheben.

Im April 2021 wurde der Biosimilar-Barometer Schweiz erstmals veröffentlicht. Er zeigt: Würde bei patentabgelaufenen Biologika konsequent nur noch das kostengünstigere, jedoch in der Wirksamkeit und Sicherheit gleichwertige Biosimilar abgegeben, könnten im Schweizer Gesundheitswesen jährlich rund 100 Millionen Franken eingespart werden.

Die aktuelle Auflage des Biosimilar-Barometer Schweiz rückt die Marktentwicklung der sechs grössten Biosimilars in den Fokus. Dabei wird deutlich, dass auch lange auf dem Markt verfügbare und entsprechend bewährte Biosimilars nur zögerlich verschrieben werden. So erreichen sie ein Jahr nach Markteinführung durchschnittlich einen Marktanteil von 12 %. Nach zwei Jahren liegt der Wert bei rund 27% Marktanteil bevor er in den folgenden Jahren bei rund 35% stagniert. So verharrt der Marktanteil des Wirkstoffs Infliximab, welcher zur Behandlung verschiedener Autoimmunerkrankungen eingesetzt wird, nach über 5 Jahren bei rund 30%.

«Wir beobachten, dass bei den sechs grössten im Schweizer Markt eingeführten Biosimilars die Marktpenetration bei rund 35% stagniert. Dies ist auch bei etablierten Biosimilars wie beispielsweise Infliximab der Fall. Eine weitgehende Umstellung wäre jedoch für den Prämienzahler wünschenswert», schliesst daraus Pius Zängerle, Direktor von curafutura.

Entlastung Gesundheitswesen und Prämienzahler durch Beseitigung der Fehlanreize

Fehlanreize wie das aktuelle Margensystem behindern eine breitere Anwendung von Biosimilars und die Realisierung namhafter Einsparungen. Im heutigen System verdienen Apotheker und Ärzte umso mehr, je höher der Preis des Medikaments ist. Darum haben diese Leistungserbringer einen direkten Anreiz, ein Originalpräparat anstelle eines kostengünstigeren Biosimilars oder Generikums abzugeben.

Damit die Stagnation überwunden, die Einsparungen realisiert und dadurch das Gesundheitswesen und die Prämienzahler entlastet werden können, müssen die Fehlanreize im System zeitnah beseitigt werden. Daniel Sarbach, Co-Leiter der Arbeitsgemeinschaft biosimilar.ch: «Wir fordern, dass das BAG sofort handelt und die Vertriebsmargen anreizneutral ausgestaltet.»

Ausserdem sieht Pius Zängerle Handlungsbedarf beim Substitutionsrecht, einem weiteren groben Missstand. «Heute können Apotheker nur das Produkt, das vom Arzt verschrieben worden ist, abgeben. Das heisst, wenn ein Originalpräparat auf dem Rezept steht, dürfen Apotheker den Patienten das kostengünstigere Biosimilar nicht von sich aus anbieten.»

Seit Jahren wachsen die Ausgaben für Medikamente in der Schweiz. 2020 betrug der Anstieg in der obligatorischen Krankenpflegeversicherung rund 300 Millionen Franken, was einem Plus von 4 Prozent gegenüber dem Vorjahr entspricht. Rund 75 Prozent dieses Kostenanstiegs ist auf Behandlungen von Krebs- und Autoimmunerkrankungen zurückzuführen. Biologika sind bei deren Behandlung von zentraler Bedeutung und finden eine breite Anwendung. Diese in der Herstellung komplexen und kostenintensiven Medikamente schlagen sich entsprechend auf die Kosten nieder. Gerade hier stellen kostengünstige Biosimilars seit 12 Jahren eine wichtige Möglichkeit zur Eindämmung des Kostenanstiegs dar.

Weitere Auskünfte:

biosimilar.ch: Daniel Sarbach, Leiter biosimilar.ch,
079 808 45 05, info@biosimilar.ch

Biosimilar.ch

biosimilar.ch ist die Arbeitsgemeinschaft zur Förderung der Biosimilars in der Schweiz unter dem Dach von Intergenerika. Sie steht allen Unternehmen in der Schweiz offen, die Biosimilars entwickeln, herstellen oder vertreiben. Sie wird aktuell in Co-Leitung durch Daniel Sarbach, Sandoz, geführt.

curafutura

curafutura ist der Verband der innovativen Krankenversicherer: CSS, Helsana, Sanitas und KPT. curafutura setzt sich für ein solidarisch gestaltetes und wettbewerblich organisiertes Gesundheitssystem ein.

Erster Biosimilar – Barometer Schweiz 2020: Nicht realisierte Einsparungen von 100 Millionen Franken, auch aufgrund von Fehlanreizen bei den Vertriebsmargen

Im Jahr 2020 wurden wegen zurückhaltender Verschreibung von Biosimilars rund 100 Millionen Franken an Einsparungen verpasst. Das zeigt der erstmals veröffentlichte Biosimilar-Barometer Schweiz 2020.

Auch 12 Jahre nach Markteinführung der ersten Biosimilars in der Schweiz wird noch unzureichend auf die kostengünstige Alternative zu Biologika gesetzt, mit grossen regionalen Unterschieden. Um den Anteil von Biosimilars zu erhöhen und das Einsparpotenzial zu realisieren, sollten Fehlanreize bei den Vertriebsmargen rasch beseitigt werden.

Die Ausgaben für Medikamente wachsen in der Schweiz seit Jahren. So auch 2020: Der Anstieg in der obligatorischen Krankenpflegeversicherung betrug rund 300 Millionen Franken, was einem Plus von 4 Prozent gegenüber dem Vorjahr entspricht. Rund 75 Prozent dieses Kostenanstiegs ist auf Behandlungen von Krebs- und Autoimmunerkrankungen zurückzuführen. Biotechnologisch hergestellte Medikamente, sogenannte Biologika, sind bei deren Behandlung von zentraler Bedeutung und finden eine breite Anwendung. Diese in der Herstellung komplexen und kostenintensiven Medikamente schlagen sich entsprechend auf die Kosten nieder. Gerade hier stellen kostengünstige Biosimilars seit 12 Jahren eine wichtige Möglichkeit zur Eindämmung des Kostenanstiegs dar. Würde bei patentabgelaufenen Biologika konsequent nur noch das kostengünstigere, jedoch in der Wirksamkeit gleichwertige Biosimilar abgegeben, könnten im Schweizer Gesundheitswesen gemäss Berechnung von Intergenerika jährlich rund 100 Millionen Franken eingespart werden.

Fehlanreize bei Vertriebsmargen beseitigen

Fehlanreize wie das aktuelle Margensystem behindern eine breitere Anwendung von Biosimilars und die Realisierung namhafter Einsparungen zu Gunsten der Prämienzahler. Im heutigen System verdienen Apotheker und Ärzte umso mehr, je höher der Preis des Medikaments ist. Darum haben diese Leistungserbringer einen direkten Anreiz, ein Originalpräparat anstelle eines kostengünstigeren Biosimilars oder Generikums abzugeben. Hier fordert curafutura gemeinsam mit biosimilar.ch und Intergenerika, dass das BAG zeitnah handelt. Pius Zängerle, Direktor von curafutura: «Um die Abgabe von Generika und Biosimilars zu fördern, müssen die Vertriebsmargen anreizneutral ausgestaltet werden. Jedes Jahr ohne Handeln führt zu erheblicher Verschwendung von Prämiengeldern».

Grosse regionale Unterschiede

Der erstmals von biosimilar.ch, curafutura und Intergenerika, gestützt durch das Analysenunternehmen IQVIA, veröffentlichte Biosimilar-Barometer Schweiz 2020 offenbart zudem grosse, medizinisch nicht erklärbare Unterschiede zwischen den Regionen der Schweiz. In der Westschweiz kommen bedeutend häufiger die kostengünstigeren Biosimilars zum Einsatz, als dies in der Deutschschweiz der Fall ist. Auch das Tessin setzt häufiger auf Biosimilars. So werden beispielsweise Biosimilars des Wirkstoffs Rituximab, welches unter anderem bei Krebstherapien eingesetzt wird, im Tessin bereits häufiger als das entsprechende Referenzpräparat eingesetzt. In der Zentralschweiz beträgt der Anteil des Biosimilars jedoch nur 5%. «Hier sind die Spitäler und Gesundheitsdirektionen der betroffenen Kantone gefordert» meint dazu Daniel Sarbach, Co-Leiter der Arbeitsgemeinschaft biosimilar.ch, «schliesslich liegt es in ihrer Verantwortung, für bezahlbare Prämien ihrer Bürger zu sorgen».

Biosimilars könnten bereits heute Einsparungen von total rund 100 Millionen Franken jährlich bewirken, wenn sie denn konsequent eingesetzt würden. Zukünftig wird dieses Einsparpotenzial weiter wachsen, stehen doch umsatzstarke Biologika vor dem Ablauf ihres Patents. Entsprechende Biosimilars sind in Entwicklung und warten auf deren Einsatz.

1